Wie Kain und Abel?

China und die USA befinden sich seit Jahrzehnten in einer symbiotischen Wirtschaftsbeziehung, die so nicht länger aufrechterhalten werden kann. Veränderungen bergen aber unkalkulierbare Risiken für die Weltwirtschaft.

China produziert seit Jahren billig Waren, die hauptsächlich in den USA konsumiert werden. Diese werden mit Dollar bezahlt, die sich dann folglich in China anhäufen. China leiht wiederum diese Dollars der US Regierung indem sie US Staatsanleihen davon kauft, damit der Kreislauf fortgesetzt werden kann. Das eine solche Konstruktion nicht auf Dauer gut gehen kann, liegt wohl auf der Hand.

Ein gigantisches US Handelsbilanzdefizit ist das Resultat und die USA verloren durch die niedrigen Arbeitskosten in China tausende von Arbeitsplätzen. China erwarb mit den US-Schuldscheinen Ansprüche auf zukünftige US-Gewinne, die sehr wahrscheinlich nie gemacht werden. China (Hongkong) besitzt nun als größter Gläubiger der Amerikaner allein US Staatsanleihen im Wert von derzeit ca. eine Billion Dollar. Eine, von den USA geforderte, Aufwertung des Yuan würde die Chinesen viel Geld kosten. Eine abrupte Entflechtung beider Länder könnte sich verheerend, auch auf die gesamte Weltwirtschaft, auswirken. Die USA würden mit China ebenso den Zustrom billiger Konsumgüter verlieren wie eine wichtige Refinanzierungsquelle ihrer Schulden. China wiederum ist auf den Export seiner Waren in die USA angewiesen, um Arbeitslosigkeit zu verhindern. Eine weitere Verarmung der Landbevölkerung könnte den Riesen ins Wanken bringen.

Das US-Handelsbilanzdefizit gilt als der Verursacher der Krise. Die  US Regierung will nun das Defizit mit China rasch verkleinern. Das Ziel amerikanischer Politik ist deshalb eine rasche Aufwertung der chinesischen Währung. Das würde sich positiv auf das Defizit und auf den US Arbeitsmarkt auswirken. Aber die Chinesen weigern sich bisher Wechselkursanpassungen zuzustimmen. Durch die feste Dollaranbindung des Yuan entfällt das Wechselkursrisiko für China und sorgt für stabile Exportquoten. Die USA verbilligen nun durch Anleiheaufkäufe den Dollar und verursachen so für eine Dollarflut. Das Kapital fließt dorthin, wo es am meisten zu verdienen gibt. Das sorgt in China für Inflation und verstärkt die Blasenbildung. China muss früher oder später zur Inflationsbekämpfung mit weiteren Zinsanhebungen antworten. Hohe Zinsen verstärken den Sog fürs kapital jedoch noch. Und so könnte am Ende China keine andere Wahl bleiben als den Yuan aufzuwerten. Amerika will auf diesem Weg die Aufwertung des Yuan schnell erzwingen.

China hat dagegen eine schrittweise Abkopplung von Amerika zum Ziel. Zu groß ist derzeit noch die Abhängigkeit vom Dollar. Deshalb investiert man zurzeit verstärkt in den Euro. Sei es über direkte Investments oder über den Aufkauf riskanter südeuropäischer Staatsanleihen. Chinas Währungsreserven sollen künftig verstärkt in Euro angelegt werden. Doch um Risiken zu vermeiden, ist dieses Ziel nur über bedächtige Kapitalumschichtungen zu erreichen. Die chinesische Binnenwirtschaft soll gestärkt werden, um vom Export unabhängiger zu werden. Deshalb sollen künftig die 850 Millionen verarmten Bauern vermehrt am Aufschwung Chinas beteiligt werden.

Das politische und wirtschaftliche Verhältnis zwischen China und den USA ist schwierig. Die expansive Geldpolitik der USA hat nun die Chinesen unter Zugzwang gebracht. Zum Wohle der gesamten Weltwirtschaft bleibt zu hoffen, dass die beiden Länder partnerschaftlich an der Entflechtung gegenseitigen Abhängigkeiten arbeiten. Käme es zum Bruch der beiden, so würde das nicht nur China und die USA betreffen.

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