„Wirecard und der BVB sind interessant“

Oliver Roth kennt die Börse auf dem Effeff. Der ehemalige Profifußballer in Diensten von Kickers Offenbach und Borussia Dortmund arbeitet seit vielen Jahren bei der Oddo Seydler Bank. Roth stellt Mario Draghi ein gutes Zeugnis aus und bleibt für die Börse weiterhin optimistisch. DER AKTIONÄR hat mit Oliver Roth an der Frankfurter Börse gesprochen.

Herr Roth, die Wirtschaft lahmt, die Konjunkturdaten sind schlecht. Der Handelskrieg will kein Ende nehmen und dennoch laufen die Märkte wieder an. Wie passt das alles zusammen?

Oliver Roth: Es geht um Zinsen und es geht um billiges Geld. Aus der Finanzkrise heraus haben wir mit billigem Geld die Börsen fliegen lassen und auch jetzt ist es das „billige Geld“, das die Börsen antreibt. Und wenn nicht ganz „große Brocken“ dazwischen fliegen, dann werden wir auch neue Allzeithochs sehen.

Was wären denn ihrer Meinung nach solche „große Brocken“ oder Störfaktoren, die die Märkte ausbremsen könnten?

Es sind die allgemein bekannten: der Brexit zum Beispiel, auch wenn man es schon nicht mehr hören kann oder hören will. Wir sind ja noch immer in einer Situation, in der ein Brexit stattfinden soll. Die Frage ist geregelt oder nicht. Handelskrieg USA. Ich betone USA, denn die Amerikaner suchen sich ihre Gegner nach und nach aus. Die Chinesen werden nicht die einzigen sein und bleiben, mit welchen sich Donald Trump anlegt. Das sind Gründe die immer wieder für Dellen im Dax gesorgt haben.

Mario Draghi hat sein Amt bei der EZB an Christine Lagarde übergeben. Wie fällt dein Fazit aus?

Mario Draghi hat sehr vieles richtiggemacht. Er hat alles gemacht, um den Euro zu erhalten und in einer sehr sehr schwierigen Phase die Märkte immer wieder beruhigt. Draghi stand sicherlich viel in der Kritik.  Fakt ist aber, dass uns Draghi und die EZB vor Schlimmeren bewahrt hat.

Was wird sich an der EZB-Strategie unter Christine Lagarde verändern?

Ich glaube nicht, dass Lagarde jetzt grundsätzlich etwas an der Politik ändern wird. Mit Sicherheit gibt es keinen Raum für Zinserhöhungen. Eher das Gegenteil wird der Fall sein. Nämlich in Form von weiteren Lockerungen bespielweise durch weitere Anleihekaufprogramme von Seiten der EZB. Das heißt, die Niedrigzinspolitik wird noch ein paar Jahre anhalten.

Was also sollte der deutsche Sparer machen um sein Geld in Zukunft zins- beziehungsweise gewinnbringend anzulegen?

Wenn man davon ausgeht, dass die Zinsen niedrig bleiben werden, dann wird man wohl um Aktien nicht herumkommen. Auch ETFs oder Fonds. Der Bereich Immobilien ist etwas über den Zenit hinausgeschossen.

Auf welchen Markt sollte man setzen? Im Vergleich USA und Deutschland hinkt der DAX die etwas hinterher- wird das so bleiben?

Im Amerika steht ein großes Fragezeichen hinter Donald Trump. Wird er wieder gewählt ja oder nein und falls ja, stellt sich die Frage, wie er in Zukunft agieren wird? Neue Strömungen der De-Globlalisierung belasten vor allem die deutsche Industrie.

In Deutschland haben wir das Problem, dass verschiedene Branchen wie zum Beispiel die wichtige Automobilindustrie sehr unter Druck stehen. Dennoch – man sollte keinen der Märkte abschreiben und sein Geld möglichst breit streuen.

Welcher Aktien zählen grundsätzlich zu ihren Favoriten?

Ich bin ja eher der antizyklische Anleger. Sobald Werte, die substanziell in Ordnung sind, besonders abgestraft werden, dann sollten man ein Auge darauf haben. Zum Beispiel Wirecard. Sicherlich hochspekulativ, aber meiner Ansicht nach interessant. Die Firma hat schon einiges an Beschuldigungen über sich ergehen lassen müssen. Bis jetzt hat sich davon allerdings nichts bewahrheitet, was ich auch nicht hoffe. Solche Werte sind auf jeden Fall immer einen Blick wert. Ich glaube auch, dass die Chinesen zuletzt etwas underperformed haben. Auch hier gibt es spannende Unternehmen wie etwa Tencent.

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