Der Börsianer, der auch kicken kann

Daumen hoch oder Daumen runter für den Deutschen Aktienindex? Experte Oliver Roth meint, der „Dax“ knackt demnächst die 10 000er Marke. Doch er ist viel mehr als „nur“ ein Börsianer. Roth war über viele Jahre hinweg auch ein sehr erfolgreicher Torjäger gewesen. Foto: Rainer Rüffer

Daumen hoch oder Daumen runter für den Deutschen Aktienindex? Experte Oliver Roth meint, der „Dax“ knackt demnächst die 10 000er Marke. Doch er ist viel mehr als „nur“ ein Börsianer. Roth war über viele Jahre hinweg auch ein sehr erfolgreicher Torjäger gewesen. Foto: Rainer Rüffer

Der Börsianer, der auch kicken kann

Ein Interview mit Oliver Roth über den Dax, Märkte und Fußball

Oliver Roth (40) ist seit Jahren ein bekanntes Gesicht im deutschen Fernsehen. Mal ist er frühmorgens im ARD-Morgenmagazin, mal in den Nachrichten zu sehen. Er ist einer der Börsen-Sympathieträger, ein Mann, der mehr über Wertpapiere, Märkte oder Chancen für Aktien-Anleger weiß als andere. Zudem ist er ein ewiger Held der Offenbacher Kickers, denen er sich trotz seiner Börsenkarriere auch heute noch überaus verbunden fühlt. FNP-Mitarbeiter Horst Reber hat Oliver Roth interviewt.

An der Frankfurter Börse werden täglich Aktienwerte aller Art im Wert von rund 150 Millionen Euro umgesetzt. Fühlt man sich als Makler in dieser Umgebung so ähnlich wie ein Fußballer in einem weltweit übertragenen Endspiel im Fußball?

OLIVER ROTH, der sowohl die Anspannung als aktiver Börsianer wie auch als Fußballprofi kennt, lächelt. Der Vergleich scheint ihm zu gefallen: „Da kann ich nur zustimmen, der Vergleich passt gut. Ein Trainer sitzt bei einem durchschnittlichen Bundesligaspiel auch mit einem 180er-Pulsschlag auf der Bank.“

Also täglich ein totaler Nervenjob für Sie?

ROTH: Allerdings auch ein sehr interessanter, der mir sehr viel gibt. Erlernt habe ich das Börsengeschäft bei der Steubing AG. Heute, nach meiner Fußballkarriere, bin ich Angestellter bei der Firma Close Brothers Seydler. Mit Aktien fühle ich mich aber genauso wohl wie früher mit dem Ball.

Damit kann man bekanntlich auch sehr viel Geld verdienen . . .

ROTH: Zweifelsohne, das wollte ich auch mal, dafür habe ich als junger Kicker auch intensiv trainiert und wagte dann den Sprung als Amateur zu den Profis von Borussia Dortmund. Allerdings nur für ein Jahr, denn in Dortmund standen meine Aktien nicht so gut, wie ich es mir vorgestellt habe.

Haben Sie im Training einfach zu wenig Tore geschossen, oder lag es auch am Trainer, der Ihnen keine reelle Chance gab?

ROTH: An mir lag es sicherlich auch. Ich war gerade 20 Jahre alt und kam aus dem Amateurbereich. Trainer Reinhard Saftig hatte mich verpflichtet, aber nach wenigen Wochen kam für ihn als neuer Coach Horst Köppel. Und wie es im Leben öfter mal so ist – wir beide fanden keine Wellenlänge. Ich konnte nicht mit ihm so richtig, er nicht mit mir. Insofern blieb mein ursprüngliches Ziel, mit dem BVB längerfristig in der ersten Bundesliga aufzulaufen, unerfüllt.

Trauern Sie diesem Dortmunder Jahr, wo Sie gemeinsam mit Andreas Möller, dem Ex-Eintrachtler, trainierten, heute noch nach?

ROTH lächelt wieder und zuckt mit seinen breiten, athletischen Schultern: „Es gibt nichts zu bereuen. Was würde mir das bringen. Mein Weg war anders, aber im Endeffekt sehr interessant. Man lernt in solchen Situationen jede Menge. Und deshalb hat diese Zeit mir auch viel gebracht. So kam ich auf einen anderen Weg und bekam den richtigen Biss. Immerhin konnte ich in der zweiten Bundesliga mit Kickers Offenbach spielen, also auch ein erfüllter Traum. Es war eine großartige Zeit für mich. Ich war halt Fußballer aus Freude und Leidenschaft.“

Im Berufsfußball kann man heute enorm viel Geld verdienen, wenn man beim richtigen Verein ist und überdurchschnittlich gut spielt. Ist das im Börsengeschäft etwa ähnlich?

ROTH, der von seinem Naturell her meistens mit einer freundlichen Miene und angenehmen Humor unterwegs ist, wie seine Börsenkollegen bestätigen, gibt sich salomonisch: „Beispiele gibt es in der Tat, aber trotzdem ist alles anders. Natürlich findet man im Börsengeschäft auch taktische Raffinessen, aber ein Börsenmakler braucht neben Erfahrung, Disziplin, Wagemut und einem wirtschaftlich geprägten Wissen als Fundament auch öfter mal ein Quäntchen Glück.

Nennt man das dann laut Volksmund Zockerglück?

ROTH: Na ja, damit hat das wenig zu tun. Längerfristige Konzepte bringen den größeren Erfolg.

Wer nach dem Absturz der US-Bank Lehman Brothers und dem folgenden Börsen-Crash klug und geduldig wieder auf Aktien setzte, ist der heute reicher und zufrieden?

ROTH: Das waren harte Zeiten und die Krise ist noch nicht vorbei. Aber das Schlimmste scheint überwunden.

Warten Sie wie Millionen Aktionäre auch voller Spannung auf das Erreichen der 10 000-Punkte-Marke beim Dax?

ROTH: Alle warten drauf. Das ist ein neuer Höhepunkt im Aktiengeschäft, aber auch eine Bürde. Denn was soll danach noch kommen?

Wie viele Aktien haben Sie täglich auf dem Bildschirm im Auge?

ROTH: „Rund 1500 Aktien-Werte. Dafür trage ich in meinem Bereich Verantwortung. Wenn der Dax die 10 000er-Grenze packt, dann ist das auch allgemein in unserem Business und der Wirtschaft ein total freudiges Ereignis.

Sie waren einmal zwischendurch ein Jahr lang in den USA, um dort ihren Studienabschluss als Bachelor für Wirtschaft zu machen. Warum gerade in Amerika?

ROTH: „Weil das auch eine sehr schöne Erfahrung für mich sein sollte. Dieses Studium war für meine Erfahrung, aber auch für die Sprache wichtig. Amerika ist halt noch ein wenig anders.

Haben Sie eigentlich die Akte Fußball inzwischen nach ihren Erfolgen als Börsenmakler ganz geschlossen?

ROTH: Nein, so kann man das nicht sagen. Nach den bekannten Turbulenzen beim OFC, kunterbunt mit Präsidiumswechsel, Neuorientierung im Verein, Aufbaugedanken, aber zugleich großer Kapitalnot, habe ich mich rund ein Jahr als ehrenamtlicher Sportdirektor bei Kickers Offenbach zur Verfügung gestellt. Aber wie es im Vereinsleben oft so ist, die Hektik, die personelle Unruhe und unterschiedliche Auffassungen haben dann dazu geführt, dass ich wieder aufgehört habe. Ich musste auch für mich erkennen, dass Kompromisse im Fußballgeschäft oft in die falsche Richtung laufen. Man darf auch nicht in fallende Messer greifen, wie die Erfahrung lehrt.

Aber Sie sind beim OFC immer noch mit dem Herzen dabei?

ROTH: Klar, Fußball als inaktive Leidenschaft bleibt wohl bei den meisten ehemaligen Kickern erhalten. Das ist bei mir auch so. Aber alles hat seine Zeit.

Sie haben sogar die A-Trainerlizenz gemacht. Also könnten Sie auch als Trainer bis in die Regionalliga eine Mannschaft übernehmen. Oder wäre sogar einmal eine Position als Präsident bei Kickers Offenbach reizvoll?

ROTH (winkt lächelnd ab): Solche Gedanken habe ich mir bislang nicht gemacht. Jedenfalls nicht ernsthaft genug, um diesen Schritt tatsächlich mal zu gehen. Mein Thema heißt aktuell Börse, Börse, Börse. Das ist doch auch Spannung pur.

Welche Aktien besitzen Sie und bei welchen Aktien sehen Sie künftig weitere Lichtblicke?

ROTH: Gute Frage, aber ich muss gestehen, ich besitze nur eine Nike-Aktie, sozusagen als Erinnerung an ein Geschenk. Wir Börsianer dürfen aus verständlichen Gründen privat nicht ins Börsengeschäft für die eigene Tasche eingreifen. Und daran halte ich mich. Aber zu Ihrer Frage: Energie-Werte könnten nach meiner Einschätzung in Zukunft wieder recht reizvoll werden.

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