Oliver Roth- Ein Ende mit Schrecken oder ein Schrecken ohne Ende?

Es wird aktuell darüber diskutiert, ob Griechenland die Eurozone verlassen oder sich besser durch einen Schuldenschnitt befreien soll. Doch das gehört beides zusammen und sind zwei  Seiten  der gleichen Medaille.

Am Wochenende scheinen die EU-Finanzminister in Luxemburg im Geheimen getagt zu haben, um im Wesentlichen die Griechenlandkrise zu erörtern. Entschuldung und Euro-Austritt sollen dabei auch diskutiert worden sein. Bisher wurde das dementiert, aber wer schenkt dem noch Glauben. Zu oft wurden schon derartige Treffen dementiert und haben sich anschließend als wahr herausgestellt. Vielleicht sollten Juncker und seine Kollegen es zur Abwechslung einmal mit der vollen Wahrheit versuchen: Wahr ist, das der ursprüngliche Rettungsplan für Griechenland gescheitert ist. Wahr ist, dass der dreijährige Überbrückungskredit der Euro-Zone in Höhe von 110 Milliarden Euro Griechenland nicht retten kann. Der Plan Griechenlands bereits 2012 an die Märkte zurückzuschicken, ist bereits Makulatur. Wenn die Euro-Zone nichts unternimmt, fehlen Griechenland nächstes Jahr 25 Milliarden Euro. Das Land stünde endgültig vor der Pleite. Welche Alternativen zur Pleite verbleiben nun?

1. Alternative – Fass ohne Boden

Die EU-Regierungschefs müssten nachbessern und hauen die Griechen raus. Die Euro-Zone gibt weitere Kredite die über 2012 hinaus reichen. Eine Art Rettungspaket II mit weiteren Kapitalzusagen der Euroländer über 2012 hinaus. Oder der Euro-Rettungsfonds kauft Griechenland nächstes Jahr alle neuen Staatsanleihen ab, die das Land am Markt nicht loswird. Mit beiden Optionen wäre den Griechen zumindest vorübergehend geholfen. Die drohende Finanzierungslücke wäre damit vorübergehend gefüllt. Für die Euroländer hieße das, Griechenland hängt am permanenten Tropf. Die Politiker benötigen aber für diesen „Länderfinanzausgleich“ wiederum jeweils die Zustimmung ihrer Parlamente. Diese ist aber fraglich, denn für die Steuerzahler offenbart sich die Griechenlandfrage immer mehr zum Fass ohne Boden.

 

2. Alternative – Entschuldung

Dauerhaft ist Griechenland nur zu helfen, wenn sie sich massiv  entschulden können. Nach Verhandlungen mit den Gläubigern reduziert man die Tilgung und die Zinslast   signifikant. Ob man das durch Laufzeitverlängerung, Zinsreduktion, Schuldenschnitt oder von allem etwas erreicht, sei dahingestellt. Ob Griechenland dann die Eurozone im Anschluss verlässt, um wettbewerbsfähiger zu werden, wäre im Anschluss zu prüfen. Doch ohne vorherige Entschuldung, macht ein Euro-Austritt für Griechenland überhaupt keinen Sinn. Diese zweite Alternative birgt zum einen die Gefahr einer Destabilisierung des Bankensystems. Dreißig Prozent Abschlag sollte bei den meisten Banken bereits eingepreist sein. Nur wenn ein Schuldenschnitt darüber hinausginge, würde das Risiko einer Destabilisierung bestehen. Griechische Banken hätten auch sicherlich darunter viel stärker zu leiden, als ausländische. Zum anderen würde auch ein langer Schatten auf die anderen Pleitekanditaten Irland, Portugal, Spanien und vielleicht sogar Italien fallen. Diese würden vermehrt mit aufkommenden Spekulationen einer Umschuldung zu kämpfen haben.

Zwischen dem „Länderfinanzausgleich“ und der „Entschuldung“ muss die Euro-Zone jetzt wählen. Ein direkter Schuldenschnitt wäre ein Befreiungsschlag für das Land, birgt aber auch Risiken für die Stabilität der Euro-Zone. Höhere Euro-Kredite für Griechenland oder ein Ankauf griechischer Staatsanleihen könnten bedeuten, dass der Ägäis-Staat auf unabsehbare Zeit am Tropf der Euro-Zone hängen bleibt und ein Fass ohne Boden wird.

Ein Ende mit Schrecken oder ein Schrecken ohne Ende? Diese Wahl haben unsere Politiker noch. Doch nicht mehr lange. Meine Meinung dazu ist bekannt. Ein kontrolliertes Ende mit Schrecken ziehe ich in diesem Fall vor.

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